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Kultur (Streiflichter)
Martin Disler: Kunst ohne Kompromisse
Ausstellung bis 17. März in der Galerie Roland Aphold in Basel
 

(12.02.07) Gemeinsam mit den Neuen Wilden aus Deutschland und Italien waren es Schweizer Künstler wie Martin Disler, die Anfang der 1980er Jahre den nüchternen Bildanalysen der Concept Art mit einem furiosen, körperbetonten Pinselgestus entgegen traten und so der für tot erklärten Malerei zu einer viel beachteten Renaissance verhalfen.

In der Basler Öffentlichkeit so richtig wahrgenommen wurde der Künstler letztmals im Jahre 1997, als das Kunstmuseum dem kurz zuvor Verstorbenen eine Ausstellung mit seinen jüngsten Aquarellen widmete. Aus den Sammelbeständen des Erlacher Galeristen René Steiner – einem jahrelangen intimen Freund Dislers – hat die Allschwiler Galerie Roland Aphold erstmals wieder eine spannende Ausstellung eingerichtet, die mit hochkarätigen, teilweise noch nie gezeigten Werken die ungeheure bildnerische Kreativität und den technischen Facettenreichtum des Malers und Zeichners in Erinnerung ruft.

Die internationale Karriere des 1949 im Kanton Solothurn geborenen Martin Disler begann 1980 mit seiner ersten großen Einzelausstellung „Invasion durch eine falsche Sprache“ in der Basler Kunsthalle, auf die in rascher Kadenz Werkpräsentationen in zahlreichen wichtigen in- und ausländischen Galerien und Museen folgten. Nachdem Disler in wenigen Jahren ein rastloses Leben an verschiedenen Orten Europas und in New York geführt und dabei ein immenses zeichnerisches, malerisches und skulpturales Oeuvre geschaffen hatte, verstarb er 1996 an den Folgen einer Hirnblutung.

Disler war eine Künstlernatur, die in obsessiven Schüben, meist während der Nacht und Musik hörend, arbeitete. Seine neoexpressive malerische Gestik, die sich u. a. an der Kunst eines Jackson Pollock und am europäischen Tachismus inspirierte, kreiste fast ausschließlich um den Menschen, um die dramatischen Rituale von Leben, Eros und Tod, wobei autobiografische Züge kaum zu übersehen sind. Neben der kompromisslosen Arbeitsweise, die sich bis zum abrupten Tode Dislers immer mehr zu raumgreifenden Malaktionen und Installationen mit programmatischen Titeln hin entwickelte, hatte das Schreiben für den Künstler stets besondere Bedeutung. Seine außerordentliche Sprachgewalt begleitete ab 1980 das bildnerische Schaffen mit bisweilen quälender Eindringlichkeit.

Zu den Highlights der aktuellen Ausstellung bei Aphold gehören eine großformatige Farbradierung sowie Gouachen aus den 1990er Jahren, in denen das furiose Bildgeschehen einmal mehr die existenzielle Beunruhigung des Künstlers erahnen lässt. Im weiteren zu bestaunen gibt es Monotypien, an denen Disler die Möglichkeit faszinierte, die Zeichnung von der Rückseite her zu ertasten. Ein Holzschnitt aus dem Jahre 1984, ein frühes Aquatintablatt und drei Mezzotinto-Arbeiten aus der Serie „Giocco nero“ gehören ebenso zu den Besonderheiten der Ausstellung wie vier kleinere, der Öffentlichkeit bisher vorenthaltene, von 1977 bis 1990 datierte Zeichnungen, deren Spezialität in ihrem skizzenhaften, die Imagination aber dennoch beflügelnden Charakter liegt. Interessant ist auch ein in der Galerie aufgelegtes Werkverzeichnis der Disler’schen Druckgrafik, einer Technik, von der Disler einmal sagte: „Ich habe das schillernde, alchimistische Land der verschiedenen Druckgrafiken nur zögernd betreten. Ich verfiel diesen Praktiken wie einer Sucht, .....einer Reise, die mich hoffentlich tiefer ins Unsichtbare bringt.“ Einblicke in die ruhelose Seele des Künstlers vermittelt an der Ausstellung zudem ein im Auftrag des Fernsehens DRS realisierter Videofilm, der u. a. die Entstehung des 140 m langen und 4.5 m hohen Panoramabildes „Die Umgebung der Liebe“ für eine Ausstellung des Kunstvereins Stuttgart im Jahre 1981 dokumentiert. Die Fähigkeit Dislers, seine Bildideen in monumentale bis gigantische Dimensionen umzusetzen, wird hier gut ersichtlich. In einem Interview erklärt der Künstler, dass solche Werke stets mit dem totalen Einsatz des Körpers als einer Art Medium für das Hereinholen archaischer Bildvorstellungen entstanden seien. Typisch für einen Künstler, der sich zeitlebens und ohne Kompromisse in den Dienst seines Werkes stellte.

Holzskulpturen mit der Kettensäge Expressiven Charakter besitzen auch die Holzskulpturen von CW Loth, die die Ausstellung Martin Dislers in der Galerie von Roland Aphold spannungsvoll begleiten. In seinen mit der Kettensäge direkt aus dem Holz herausgearbeiteten Formen geht es vor allem um den “Raum im Holz”, d. h. um die Möglichkeiten, die Form eines kompakten Blocks aufzulösen und in den ihn umgebenden Raum hinein zu erweitern.

Galerie Roland Aphold, Weiherweg 3, CH-4123 Allschwil bei Basel (www.galerie-roland-aphold.com)

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