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Frankfurter Stadtteile
Petra Roth eröffnet neue Riedberg-Linien U8 und U9
Fest auf dem Riedbergplatz
 
(13.12.10) Riedberg - Frankfurts Stadtbahn-Netz wächst: Um rund vier neue Kilometer Strecke, zwei Stationen und zwei Linien: Die neuen U8 und U9 wurden am frühen Sonntagnachmittag, 12. Dezember, von Oberbürgermeisterin Petra Roth und dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Jan Mücke, offiziell eröffnet. Deutschlands größtes Stadtentwicklungsvorhaben ist damit nach gut zweieinhalb Jahren Bauzeit an das Frankfurter Stadtbahn-Netz angeschlossen.

„Der öffentliche Verkehr ist nicht nur ein wesentlicher Motor für die Stadtentwicklung, sondern auch ein entscheidender Standortfaktor“, sagte die Oberbürgermeisterin zur Eröffnung der neuen Linien. „Gute An- und Verbindungen, moderne Fahrzeuge, kundenfreundlich ausgestattete Stationen und Haltestellen, ein attraktiver Fahrplan, funktionierende Anschlüsse – das alles zusammen macht einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr aus.“

Die Eröffnung der neuen Riedberg-Linien sei „ein Grund zur Freude und ein guter Tag für alle. Zuallererst für die Anwohner des jungen Stadtteils und für diejenigen, die hier arbeiten, forschen und lernen. Ein lebendiges Stadtquartier und ein qualitätvoller Nahverkehr – das gehört zusammen“, so Verkehrsdezernent Lutz Sikorski. Attraktive Bus- und Bahnverbindungen seien „wichtige Gradmesser für eine stadtverträgliche Mobilität“.

Der Dank der Oberbürgermeisterin galt den verantwortlichen Unternehmen und städtischen Ämtern. „Ihnen und ihren Mitarbeitern möchte ich im Namen der Stadt Frankfurt ganz herzlich für die in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit danken“, so Petra Roth. „Ohne Sie würden die neuen Linien nicht fahren.“

Unterstützung vom Bund
Für das Vorhaben, das insgesamt 71 Millionen € kostet, hat der Bund Mittel aus dem Bundesprogramm gemäß dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) in Höhe von rund 31 Millionen € zur Verfügung gestellt. Die finanzielle Zuwendung des Landes Hessen beläuft sich auf weitere 7,7 Millionen €.

Der Bund, so Staatssekretär Jan Mücke, zeigt damit, dass er für eine nachhaltige Entwicklung des Verkehrssystems Stadtbahn steht, um für die Stadt Frankfurt eine Entlastung vom Individualverkehr zu er-reichen. „Ich freue mich, dass mit der heutigen Inbetriebnahme ein weiterer Beitrag für den Ausbau und zur Verbesserung des öffentli-chen Personennahverkehrs für die Stadt geleistet wird“, sagte Mü-cke bei der Eröffnungsfeier.

Moderner Nahverkehr
Seit dem ersten Spatenstich im Sommer 2008 entstand eine rund vier Kilometer lange Neubaustrecke mit zwei Stationen und mehreren Brücken. Eine besondere Herausforderung war der Einbau der Gleiskreuzungen in Niederursel, Kalbach und der Nordweststadt, weil der Betrieb der U-Bahn-Linien U2 und U3 nur kurz unterbrochen werden durfte und die Arbeiten damit unter erheblichem Zeitdruck standen. „Wir haben den Bau trotz großer Herausforderungen – drei neue Gleisverbindungen, sieben Brücken, darunter die über die A 661 unter fließendem Verkehr – innerhalb des knappen Zeitplans bewerkstelligt und abgeschlossen. Das war eine klasse Leistung“, sagte VGF-Geschäftsführer Michael Budig. „Wir sind stolz, den Anwohnern und Besuchern des Riedbergs von heute an erstklassige Verbindungen bieten zu können – in einem leistungsstarken Stadtbahn-System, mit unseren attraktiven neuen Bahnen und modern ausgestatteten Stationen“, ergänzte Werner Röhre, ebenfalls Geschäftsführer der VGF.

20 Minuten zur Innenstadt, 7 Minuten ins Nordwestzentrum
„Mit den neuen Riedberg-Linien erhalten die Menschen hier aus dem Stadtteil und aus den benachbarten Stadtteilen eine Vielzahl attraktiver neuer und schneller Verbindungen“, erläuterte Dr. Hans-Jörg v. Berlepsch, Geschäftsführer von traffiQ Frankfurt am Main. Die U8 fährt vom Riedberg über Niederursel, Heddernheim und die Eschersheimer Landstraße in die Frankfurter Innenstadt und zum Südbahnhof. Für die 12,3 Kilometer lange Strecke mit ihren 19 Stationen benötigt sie 26 Minuten. Vom Riedberg bis zur Hauptwache sind die Fahrgäste 20 Minuten unterwegs. „Studierende bringt die U8 binnen 16 Minuten vom Uni-Campus Riedberg zur U-Bahn-Station ‚Holzhausenstraße’ und damit zum Uni Campus Westend“, hebt v. Berlepsch hervor.

Die Linie U9 führt von Nieder-Eschbach über Kalbach und den Riedberg direkt ins Nordwestzentrum und weiter bis Ginnheim, wo Anschluss an die Straßenbahn Richtung Hauptbahnhof besteht. Sie ist 20 Minuten unterwegs, um die zwölf Stationen entlang der 10,3 Kilometer langen Strecke zu bedienen. In nur noch einer Viertelstunde fahren Nieder-Eschbacher zum Einkaufen ins Nordwestzentrum, von der Station „Riedberg“ dauert die Fahrt gerade einmal sieben Minuten. Für viele Menschen aus den nördlichen Stadtteilen entstehen schnellere Verbindungen zu Zielen wie dem Nordwestzentrum oder dem Gymnasium Riedberg.

Zwischen 4 und 5 Uhr morgens verlassen die ersten Bahnen der Linien U8 und U9 ihr Depot in Heddernheim, gegen 1 Uhr 30 trifft der letzte Zug dort wieder ein. Jede der beiden Linien verkehrt viertelstündlich, nur zu Zeiten, wo wenige Fahrgäste unterwegs sind, besteht jeweils ein 30-Minuten-Takt.

Sieben Brücken, 13 Weichen, 5600 Gewächse
Damit die neuen Linien fahren können, hat die VGF in den vergangenen zwei Jahren außer den beiden Stationen und vier Kilometern Gleis – darunter 2,25 Kilometer umweltfreundliches und geräuscharmes Rasengleis – 24 Bahnübergänge gebaut: Fußgänger können die Schienen an 14 Überwegen queren, Bahnübergänge von Straßen gibt es sechs, kombinierte Übergänge für Fußgänger und Autos vier.

Mehr als neun Kilometer Fahrdraht und 18 Kilometer Tragseile wurden gespannt, die an 247 Masten hängen, davon 187 auf dem Riedberg und 60 im neuen Gleisdreieck Nordweststadt. Sieben Brücken wurden gebaut, die zwei größten über die Rosa-Luxemburg-Straße und die Autobahn A 661 mit nur kurzen Unterbrechungen des Verkehrs. 13 neue Weichen waren nötig, um bei Niederursel im Westen und Kalbach im Osten den Neubau an das bestehende Netz anzuschließen, um den Gleiswechsel an der Wendeanlage der Station „Riedberg“ zu ermöglichen und um in der Nordweststadt das neue Gleisdreieck mit dem Abzweig nach Ginnheim zu schaffen.

Die neue Station „Uni-Campus Riedberg“ und die künftige U8-Endstation „Riedberg“ haben Seiten-Bahnsteige von 105 Metern Länge, drei Metern Breite und 80 Zentimeter Höhe. Über Rampen zugänglich bieten sie den künftigen Fahrgästen einen barrierefreien Zugang zu den Bahnen, außerdem erhalten sie als Teil der attraktiven Ausstattung moderne und transparente Wartehallen. Diese sind eine Eigenentwicklung der VGF, wie sie auch an der Station „Wiesenau“ verwendet wird und in die Lautsprecher für eine akustische dynamische Fahrgastinformation (DFI) integriert sind. Die Vandalismusresistente Gestaltung der Hallenrückseiten – ein DNA-Motiv mit Doppelhelix an der Station „Uni-Campus Riedberg“, ein Wellenmotiv bei „Riedberg“ – stammt von Unit Design.

Die barrierefrei zugänglichen Bahnsteige, ausreichende Sitzgelegenheiten, Fahrscheinautomaten und Anzeiger, die in Ist-Zeit über die Abfahrt der nächsten Züge informieren, sind Standard-Ausrüstung moderner Stationen. Der barrierefreie Umbau der bestehenden Stationen „Heddernheimer Landstraße“ und „Wiesenau“ gehörte ebenfalls zum Projekt: Auch hier wurden die Bahnsteige auf 80 Zentimeter erhöht, die Station „Wiesenau“ außerdem auf 105 Meter verlängert.

Entwicklung des neuen Stadtteils Riedberg
Der neue Stadtteil hat den vergangenen Jahren eine dynamische Entwicklung erfahren. Inzwischen leben hier rund 4000 Menschen, etwa 5000 Studierende lernen und forschen auf dem Riedberg. Bis zum Jahr 2017 sollen es rund 15000 Bewohnerinnen und Bewohner und mehr als 8000 Studierende sein. Riedberg wird ein kompletter Stadtteil mit allem was dazugehört: Schulen und Kindertagesstätten, Parks und Spielplätze, Cafés und Restaurants. Zurzeit befinden sich mehr als 700 Wohnungen im Bau. In diesem Jahr wurde der Bau ei-nes Gymnasiums begonnen – der erste Neubau dieser Art in Frank-furt seit mehr als 100 Jahren –, die sechste Kindertagesstätte und eine weitere Parkanlage wurden eröffnet. Im nächsten Jahr beginnt der Bau weiterer drei Kindertagesstätten. Die Entwicklung soll bis zum Jahr 2017 abgeschlossen sein.

Für den aufstrebenden Stadtteil bringen die neuen Stadtbahn-Linien sicherlich einen weiteren Entwicklungsschub. „Das ist für den jungen Stadtteil ein Meilenstein, eine direkte Stadtbahn-Verbindung zur Frankfurter City erhöht die Attraktivität noch mehr. Jetzt hat der Riedberg wirklich alles, was einen lebendigen, urbanen Stadtteil auszeichnet“, sagte der beauftragte Projektleiter der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Riedberg der HA Stadtentwicklungsgesellschaft im Vorfeld der Veranstaltung. Weiter sagte er: „Besonders für die Bewohnerschaft ist das ein wichtiges Datum und daher freuen wir uns auch besonders, dass sich so viele Bewohnerinnen und Bewohner an den Festlichkeiten mit eigenen Ständen und mit eigenen Programmpunkten beteiligen.“

Blick ins nächste Jahr
Die Oberbürgermeisterin richtete am Tag der U8- und U9-Eröffnung ihren Blick auf Ende 2011: „Dann nehmen wir die neue Straßenbahn-Linie 18 in Betrieb, die – genau wie U8 und U9 – einen neuen Stadtteil an unser ÖPNV-Netz anschließen wird.“ Frankfurt sei dynamisch und wachse, so die Oberbürgermeisterin weiter, und das sei Freude und Herausforderung zugleich. Denn: „Ohne Busse und Bahnen ist dieses Wachstum nicht vernünftig möglich.“
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