Archiv 2013
Archiv 2012
Archiv 2011
Kultur (Frankfurt)
Kultur (Rhein-Main)
Kultur (Streiflichter)
Rhein-Main aktuell
Reisen
gesund + vital
Lifestyle
Gesellschaft
Wirtschaft
Frankfurter Stadtteile
MTK News
Aufgeblättert
Angeklickt
Archiv 2010
Archiv 2009
Archiv 2008


Artikel suchen


Werbung

Suchen nach:
In Partnerschaft mit Amazon.de

Werbung

Werbung

Werbung

Kultur (Frankfurt)
Musikalisch-sängerisch beeindruckend, szenisch zuweilen rätselhaft
„Otello“ von Giuseppe Verdi an der Oper Frankfurt
von Renate Feyerbacher
(09.12.11) Grandios ist die musikalische Wucht, mit der „Otello“ beginnt. Das Tutti nimmt das dramatische Ende vorweg. Soldaten und Seeleute kriechen, dem Orkan und Gewitter entfliehend, auf die Bühne und schlüpfen in die dort paarweise stehenden Stiefel. Das hat was Faszinierendes und Bedrohendes. Mitten unter ihnen steht der Mohr. Aber es ist nicht Othello, sondern sein Doppelgänger, der verschwindet und am Schluss wieder auftaucht. Nicht nachvollziehbar dieser Regieeinfall.

Und der agierende Othello – kein Mohr. Die Hautfarbe, so sagt es Dramaturg Norbert Abels in Oper extra, sei bei Arrigo Boito (1842-1918), dem Schriftsteller, Komponisten und Librettisten, der das Textbuch nach William Shakespeare schrieb, metaphorisch. Diesen Gedanken hat Regisseur Johannes Erath, selbst Musiker, übernommen. Glaubwürdig, es geht zwar auch um Fremdsein, um Macht, aber vor allem um Kränkungen, um Verletzt-Sein, Selbstwertdefizit, um Angst, um Tod, um Eifersucht bei Verlustangst. Alles Verhaltensweisen, Zustände, die jeder von uns kennt.


Othello (Carlo Ventre) und Jago (Marco Vratogna)
Foto Monika Rittershaus / Oper Frankfurt
***

Anstiftung zu Lug und Trug
Desdemona, seine Gemahlin, auch in Stiefeln und billigem Kleidchen löst sich aus der Menge. Othello mit majestätisch-wuchtigem Pelzkragen-Mantel liebkost sie.

Agiert wird auf einer nach vorne geneigten, Bühne, die sich durch eng verlegte Holzlatten charakterisiert. Am Bühnenende eine nicht sichtbare Treppe, auf der auf- und abgegangen wird. Hinten links ein Turm mit Lichtfunktion und einem Bambi-Reh. Sinnbild für Desdemonas Unschuld?

Sofort gibt Fähnrich Jago, ein Untergebener Othellos, des Befehlshabers der venezianischen Flotte, seine destruktive Handlungslinie aus: „Nun wird der Schlund des wilden Meeres bald sein Grab sein! […] denn, wenn den Freund ich auch spiele, hass ich den Mohren“ (1.Akt, 1.Szene) und Jago sagt auch gleich warum: Cassio, der eitle Hauptmann, habe ihn um den Rang, um die Beförderung bestohlen, die er in vielen Schlachten verdient habe.

Jago gelingt es, Cassio betrunken zu machen („Wenn er säuft, ist er verloren“). Dieser lässt Lobessprüche auf Desdemona los. Parallel hetzt Jago den edlen Venezianer Rodrigo auf, der Desdemona liebt: „Nun geh schon und verführ ihn zum Streiten.“ Es gelingt. Cassio tobt, verletzt Montano, den Vorgänger Othellos in der Stadthalterei von Zypern. Othello reagiert sofort: „Cassio, Hauptmann bist du gewesen!“. Später stachelt Jago den unglücklichen Cassio auf, Desdemona um Fürsprache bei ihrem Mann zu bitten, und Othello fordert er auf, seine Frau zu überwachen. Und nach der Erkenntnis‚ verletzte Menschen können gefährlich sein‘, reagiert Othello. Der Keim der Eifersucht ist gelegt. In der gesamten Oper spielt sich Jago als Schlichter, als Versöhner, auf und eignet sich schon mal Othellos Mantel an.

Das Bühnen-Ambiente entspricht Jagos Arie „Ich glaub an einen Gott, der mich als seinesgleichen erschuf. Ich nenn ihn nur im Zorne! Aus einem niedren Keime oder Atom bin ich geboren! Bin ein Verbrecher, weil ich ein Mensch bin, und fühl den Schmutz aus meinem Ursprung in mir.“

Mit dem italienische Bariton Marco Vratogna, an der Oper Frankfurt schon öfters im Einsatz, ist die Ausgeburt von Bosheit ideal besetzt.

Wahlverwandt ist Shakespeares „Othello“ mit „Lady Macbeth“.

Bestrafung in sich selbst
Später gehen die Figuren auf der Holzbühne verloren. Denn Regisseur Erath führt seine drei Hauptfiguren psychologisch überzeugend: Sturm, Ausbruch, Emotion, Chaos, das sich musikalisch in Triolen äußert.

Zu statisch sind die Szenen, die voller Dramatik sind und sich zwischen Stiefeln abspielen. Sicher deuten lässt sich das auch.

Geradezu brutal behandelt Othello Desdemona, um sie im nächsten Moment zu liebkosen. Er betet mit ihr. Es gibt einen Moment, wo die Gewalt in eine Vergewaltigung umschlagen könnte. Es sind Szenen, die an die Realität heranreichen, die große Angst auslösen. So habe ich „Otello“ noch nie erlebt.


(Carlo Ventre) und Desdemona (Elza van den Heever)
Foto Monika Rittershaus / Oper Frankfurt
***

Und Desdemona wird in dieser Interpretation zum Mittelpunkt. Herausragend Elza van den Heever, die in der 3. Spielzeit der Frankfurter Oper Ensemblemitglied ist und schon mehrfach begeisterte. Demnächst singt sie an der MET (Metropolitan Opera New York). Desdemona akzeptiert ihr Schicksal nicht, sondern kämpft. Hinreißend ihre Leidenschaft, ihre Aggressionsfähigkeit. Die leisen, zarten Töne kommen genauso rüber wie die fulminanten, diese Nuancen sind einmalig. Wie man auf dem Boden liegend so noch singen kann, das ist bewundernswert, überwältigend ebenso ihr Spiel.

Der international agierende Tenor Carlo Ventre, den das Frankfurter Opernpublikum bereits 2005 in Verdis „Maskenball“ erlebte, gibt sein Rollendebüt als Otello mit italienisch-pathetischer Verve, die gefällt.

Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, ein Wagner-Spezialist, hat sich „Otello“ von Giuseppe Verdi (1813-1901) als Produktion gewünscht: „[..] immer packend, dramaturgisch, genau angelegt, eine im besten Sinne malerische Partitur. Schon immer hat mich dieses Eifersuchtsdrama interessiert [..]“.

Was der GMD und das Frankfurter Opern-und Museumsorchester bietet, ist Verdi exzellent interpretiert, als habe man die Oper noch nie (so) gehört. Wuchtig und fein, ein großartiges Pendant zu Wagner. Stark die Chöre und alle anderen Solisten.
renetisch gefeiert wurden die singenden und spielenden Künstler in der Premiere,
ausgebuht das Produktionsteam und das massiv. Das hat es nicht verdient, auch wenn Einwände bestehen.


Johannes Erath
Foto: Renate Feyerbacher
***
 
Regisseur Johannes Erath hat für den Zuschauer zwar manch Ungelöstes hinterlassen, aber eine eindrucksvolle Personenführung geboten. Die Verlustangst von Otello in seiner Eifersucht, die immer wieder hochschwappende Aggression, die seine und Desdemonas Sehnsucht nach Harmonie aufbricht, das wird einleuchtend dargestellt. Otello bestraft sich selbst.

Unbedingt hingehen! Aufführungen am 11.,16., 21. und 26. Dezember, am 1.,6.,14., und 22.Januar 2012 und später wieder im Mai und im Juni. (www.oper-frankfurt.de)
Impressum   •   Rechtliche Hinweise   •   Mediadaten   •   Drucken   •   Ihre Karriere   •   AGB

Werbung

Unsere heutigen Artikel
Samsung sponsert Extrem-Kletterer beim Wolkenkratzer-Festival

„Wie lange halten Prothesen?“

Grammy-Gewinner bei hr-Bigband

Spargelschälen nach der Stoppuhr

Siedlung "Westpark" im Mittelpunkt der Bürgersprechstunde

Die IMEX, eine kleine aber feine Fachmesse

Unendliche Annäherung

Letzter Tanz

Wolkenkratzerfestival: Am besten mit Bus und Bahn fahren

Wie Frauen Cuba sehen

Frankfurter Magistrat beschließt wegweisende E-Government-Strategie

Vereint für die Vereine

Gute frühkindliche Bildung erhöht Chancen

Alte Musik im Historischen Museum

Flörsheims Hauptstraße länger gesperrt

FreiBadSoden vorerst geschlossen

Besucherrekord bei Doppelausstellung in Bad Soden

Feste Bekleidung für die „Erdbeerlöscher“

Jirasek: Volleyballjugend spielt ganz vorne mit

In Kriftel vor 100 Jahren …

Heimatverein bleibt verlässlich aktiv

Krifteler Nachrichten

Marriott will sich im Frankfurter Hotelmarkt behaupten

„Sprich aus der Ferne, heimliche Welt …“

Tag für die Literatur

Werbung