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Gesellschaft
Königsteiner Forum 2012
 
 
(12.12.11) Königstein - Die Aussage, dass das Leben mit Veränderungen und Krisen verbunden ist, stellt fast einen Allgemeinplatz dar. Sie ist dennoch richtig. Es gibt jedoch historische Phasen, in denen sich Umbrüche besonders zu häufen scheinen und im Nachhinein voraussichtlich historische Wendepunkte markiert werden können. Eine solche Häufung von Umbrüchen und Wendepunkten erleben wir gegenwärtig. Unsere Zeit ist deshalb in vieler Hinsicht durch ein hohes Maß an Unübersichtlichkeit geprägt. Viele von uns empfinden den Verlust alter Sicherheiten.

Besonders offensichtlich betrifft dies die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Existenz. Nach mehreren krisenhaften Pendelschlägen nach der Jahrtausendwende gelingt es der Politik kaum noch, die europäischen Volkswirtschaften aus der Verklammerung von Finanzmarktinstabilität und Staatsschuldenkrise zu lösen. Die öffentlich verkündeten Entscheidungen führen zu keiner anhaltenden Beruhigung, auf die unsere Realwirtschaften angewiesen sind. Gleichzeitig erscheint inzwischen die Idee der europäischen Einigung zunehmend sinnentleert und auf ökonomische und Finanzfragen reduziert.

Gleichzeitig häufen sich die Indizien, dass Wirtschaft und Bevölkerung sich in der Welt auf „Grenzen des Wachstums“ zubewegen und wir zu verträglicheren Lebens- und Wirtschaftskonzepten kommen sollten. Bei Eintritt von Katastrophen können ein Sinneswandel und ein hierauf folgender Politikwechsel manchmal abrupt eintreten. Der beschleunigte Ausstieg aus der Kernenergie nach Fukushima demonstriert dies. Nicht zuletzt dieses Ereignis und seine Wirkungen zeigen, dass wir Teil einer immer enger vernetzten Welt sind. Dies betrifft Information und Kommunikation, aber auch die politische, kulturelle und militärische Ebene. An die Stelle der früheren bipolaren Welt des Ost-West-Konflikts treten mit dem schnellen Aufstieg Asiens und dem Bedeutungszuwachs der arabisch-islamischen Welt neue Gewichtsverteilungen. Die Suche nach der künftigen Friedensordnung gewinnt für uns existenzielle Bedeutung.

Wie werden wir morgen leben?
Mit der künftigen Form unseres Wirtschaftens ist das Schicksal des inneren Zusammenhalts unserer Gesellschaft eng verbunden. Eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung ermöglicht Allen den Zugang zur Existenzsicherung durch Arbeit. Andauernde Arbeitslosigkeit und der bevorstehende harte demografische Wandel führen die Gesellschaft und unseren Sozialstaat in immer schwierigeres Fahrwasser.

Die Reihe des Forums im Jahre 2012 will über wichtige Umbrüche in der Entwicklung von Leben und Lebensgrundlagen informieren und diese hinsichtlich von Risiken und Chancen vertieft analysieren. Für die Bewertung von Veränderungen wie auch für unser Handeln ist dabei nach Ansicht des Forums eine Vergewisserung bezüglich der ethischen und religiösen Grundlagen unabdingbar.

Am Beginn der Vortragsreihe stehen grundlegende philosophische und theologische Betrachtungen. Ergebnisse des philosophischen Denkens zum Leben und zu Lebenskrisen leuchtet Professor Dr. Jürgen Mittelstraß aus. Die Theologin Professor Dr. Margot Käßmann, vormalige Ratsvorsitzende der EKD und künftige „Lutherbotschafterin“, betrachtet das Leben angesichts aller Krisen und Bedrängnisse als großes Geschenk.

Professor Dr. Jutta Rump untersucht auf den Grundlagen eigener Forschungen die kommenden Veränderungen von Arbeit und privatem Leben, nicht zuletzt vor dem Hintergrund neuer Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten. Ebenfalls auf die Wirklichkeit unserer künftigen Gesellschaft zielt der Vortrag von Bundesminister a. D. Dr. Heiner Geißler, der zu den erfahrensten politischen Akteuren der Republik zählt. Er fragt nach dem Zusammenhalt unserer Gesellschaft unter veränderten Bedingungen.

Im Vortrag von Professor Dr. Regine Kollek, Mitglied des deutschen Ethikrates, wird auf die ethischen Grundlagen unseres Handelns in einer sich verändernden und gefährdeten Welt Bezug genommen. Der Beitrag von Professor Dr. Bassam Tibi zielt anschließend auf Wertekonflikte und zivilisatorische Differenzierungen in einer enger vernetzten Welt und fragt nach den Chancen einer neuen Friedensordnung. In einem weiteren Segment werden Fragen der veränderten Energieversorgung in Zusammenhang mit dem Klimawandel untersucht. Dies ist Gegenstand des Vortrages von Professor Dr. Matthias Kleiner, dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der gemeinsam mit Klaus Töpfer Vorsitzender der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung ist. Professor Dr. Volker Mosbrugger, der Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung, präsentiert neue Forschungsergebnisse zum Einfluss von Klimaveränderungen und Biodiversität und fragt nach künftigen Entwicklungspfaden des Lebens.

Wir erleben einen rasanten Fortschritt der medizinischen Möglichkeiten und stehen bei der Behandlung großer Volkskrankheiten doch immer noch vor großen Hürden. Professor Dr. Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum wird am Bespiel der Volkskrankheit Krebs die Zukunft des medizinischen Fortschritts untersuchen. Professor zur Hausen ist Nobelpreisträger für Medizin 2008. Am Schluss steht das für unsere Existenzsicherung wichtige Thema Wirtschaft. Hier wird der Ökonom Professor Dr. Bertram Schefold die Zukunft unseres Wirtschaftssystems unter dem Druck der aktuellen krisenhaften Entwicklung analysieren.

Geschichte des `Königsteiner Forum`
Vor über 30 Jahren entstand die Idee zu einer Vortragsreihe, die nicht nur das kulturelle und geistige Leben Königsteins bereichern und Akzente setzen sollte, sondern auch auf regionale und überregionale Wirkung zielt. Die Gründung geht maßgeblich auf das Engagement von Professor Dr. Dr. Eduard Kroker zurück, der gemeinsam mit Bruno Dechamps, dem früheren Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „geistiger Vater“ des Forums war und es seit seiner Gründung bis zum Frühjahr 2003 leitete.

Den Vorsitz des Königsteiner Forums hat seit 2003 Professor Dr. Diether Döring inne, der Sozialpolitik in Frankfurt am Main lehrt. Unter seiner Leitung erarbeitet der 12-köpfige Beirat des Forums jedes Jahr in einer längeren Diskussion neue, zukunftorientierte Schwerpunktthemen. Dass es im Laufe der Jahre über 35000 Besucher wurden, hängt ganz wesentlich mit der Aktualität der Themenwahl zusammen. Der Öffentlichkeit wird alljährlich ein in zehn bis elf Vorträge gegliedertes, hochaktuelles und oft auch brisante Fragen aufgreifendes Generalthema, präsentiert. Das Forum legt in seiner Vortragsreihe Wert auf besonders hochkarätige Referenten aus Gesellschaft, Wissenschaft, Politik, Kirche und Wirtschaft. Diese Orientierung hat das Forum zu einem Markenzeichen gemacht.

Die Vorträge sollen fundierte Informationen zu Themen der Zeit liefern und darüber hinaus den Mitgliedern der Gesellschaft Orientierungsund Entscheidungshilfe geben. Dabei soll die Wirklichkeit und ihre Veränderung vorbehaltlos betrachtet und analysiert werden. Dieser vorbehaltlose Blick gilt vor allem solchen Entwicklungen, die die Zukunft unserer Gesellschaft bestimmen werden. Insofern versteht sich das Königsteiner Forum auch als eine Institution der „Früherkennung“ für Risiken und Chancen in unserem Gemeinwesen. Das besondere Augenmerk der Veranstaltungsreihen gilt deshalb Fragen des inneren Zusammenhalts der Gesellschaft. Hohen Stellenwert hat deshalb stets auch die Reflexion ethischer Fragen.

Seit 1996 hat das Forum mit der Frankfurter Volksbank einen neuen verlässlichen Partner gefunden, der das Forum nicht nur als Hauptsponsor, sondern auch als Gastgeber der Vortragsveranstaltungen fördert. Die Organisation der Veranstaltungsreihe liegt heute in den Händen der Kur- und Stadtinformation der Stadt Königstein im Taunus, die gleichzeitig Veranstalter der Reihe ist. (www.koenigsteiner-forum.de)
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