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Aufgeblättert
Das Lied der Deutschen in Lyon
(26.03.12) Auf der frankfurterischste aller Poeten war schon international orientiert: Friedrich Stoltze (1816-1891) – „Es will merr net in mein Kopp enei…“ – verbrachte zwei Jahre seines Lebens in Frankfurts heutiger Partnerstadt Lyon.
Im Jahr 1838 entschied der damals 22-Jährige, den Main für zwei Jahre mit der Rhône zu vertauschen, um seine Kaufmannslehre in Lyon fortzusetzen. Stoltze fand dort Anstellung in einer Seidenhandlung.
Die Entscheidung war gewiss kein Zufall. Für die deutschen Freiheitskämpfer war Frankreich das Vorbild, die Brudernation. Schon im Elternhaus war Stoltze mit den Idealen von Freiheit, bürgerlichen Rechten und Gerechtigkeit in Berührung gekommen. Er hatte die Julirevolution in Frankreich verfolgt und die Erhebung der Polen 1830/31 gegen die russische Fremdherrschaft bewundert. Als 15-jähriger Lehrjunge nahm Stoltze mit seinem Vater 1832 am Hambacher Fest teil.
Der Schritt sollte für Stoltze eine prägende Erfahrung werden. Sein Biograf Johannes Proelß schreibt: „Nichts aber ist für die Wanderjahre so bezeichnend, als dass dem jungen Frankfurter Handlungsbeflissenen Fritz Stoltze […] das Heimweh zur Muse wurde. In der Fremde hat er den patriotischen Grundton seiner späteren politischen Lyrik gefunden.“
Stoltze traf in Lyon auch den Frankfurter Dichter Johann Wilhelm Sauerwein, der in Frankfurt wegen seiner freiheitlichen Umtriebe gesucht wurde und sich dort niedergelassen hatte.
Bewegt vom Heimweh verfasste der junge Stoltze bereits kurz nach seiner Ankunft 1838 in Frankreich das „Lied der Deutschen in Lyon“. Uraufgeführt wurde es dort von dem 24-köpfigen deutschen Kaufleutechor "Cäcilia". Das Lied erschien schließlich 1846 als eines der "Vier Lieder für vierstimmigen Männerchor" (Op. 76, 3) von Mendelssohn-Bartholdy.
Text: Was uns eint als deutsche Brüder wo die stolze Rhone fließt das sind unsrer Heimat Lieder und die Lust am deutschen Geist Laßt sie rauschen, laßt sie schweben wie´s ihr kühner Flug vermag daß die Lüfte Welschlands beben unterm deutschen Flügelschlag Laß mich deine Hand ergreifen Bruderherz auf du und du mit denselben Liedern schweifen wir derselben Heimat zu
Wie im klaren Liederschalle wir des Einklangs Wunder sehn laßt uns einer stehn für alle und uns all für einen stehn Schwört´s mit jedem Lied aufs neue daß der stolze Franke sieht wie der deutsche Gott der Treue als Gesang durch Welschland zieht Laß mich deine Hand ergreifen Bruderherz auf du und du mit denselben Liedern schweifen wir derselben Heimat zu
Scheiden wir dereinst als Brüder und es winkt der Heimat Glück bringen wir die deutschen Lieder und das deutsche Herz zurück Jauchzet auf in voller Stärke hoch in Geist und Lied vergnügt daß der stolze Franke merke wie ein Deutscher heimwärts fliegt Laß mich deine Hand ergreifen Bruderherz auf du und du mit denselben Liedern schweifen wir derselben Heimat zu
Der Bericht ist Teil einer Serie des Presse- und Informationsamtes im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt und Lyon. Aktueller Anlass war die Einweihung der neuen TGV-Direktverbindung am 23. März.
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