(02.04.12) Willi Peh, gelegentlicher Eil-Einkäufer wider Willen, durchkreuzt den von Wilhelmine benannten Supermarkt unabsichtlich immer dann, wenn Rentner dort paarweise anrücken. Ein solcherart gedoppelter Auftritt der auffälligen Senioren beansprucht zweifachen Platz, folgt aber nur einfacher Logik. Sie, den in Jahren erworbenen Heimvorteil schamlos nutzend, dirigiert ihren Einkaufswagen zielsicher wie einen Rollator durch die schmalen Gänge.
Er, seit seiner Pensionierung unsicher das immer noch ungewohnte Terrain erobernd, trabt auftragslos hinterher:
„Schmalz könnten wir auch ‚mal wieder essen?“
„Ist ungesund.“
„Aber diesen Käse hatten wir lange nicht mehr.“
„Zu hoher Fettgehalt.“
„Soll ich schon ‚mal Quark besorgen?“
„Wenn Du die Magerstufe findest ...“
„Ich habe gleich auch Butter mitgebracht!“
„Hast Du auf das Verfalldatum geachtet?“
Antwort auf derlei Mahnungen bleibt meistens aus. Denn inzwischen nähert sich das ungleich ausgelastete Duo der Fleischtheke - sie tatendurstig vorneweg, er lustlos hinterher. In der Abteilung für Aufschnitt & Co. drängen sich nicht nur Schinken, Krakauer und Salami auf engem Raum, sondern auch Nachbarinnen, Canasta-Freundinnen und ehemalige Kolleginnen. Und denen ergibt sie sich bedingungs-, scheinbar endlos. Die alte Dame, kommunikativ wie eine junge, kennt nicht nur Olio vergine oder Ingwerknollen, sondern ebenso fast alle Kundinnen der Umgebung, die Familien der Verkäuferinnen und die Hobbies des Filialleiters. Das beweist sie redselig im Schneckentempo. Er dagegen vertritt sich derweil die altersschwachen Beine zwischen Dosengemüse, Salzstangen und Pulverkaffee, zwischen Sonderaktionen und Aktionspreisen.
Willi Peh, solistischer Eil-Einkäufer wider Willen, weiß nun die Zurückhaltung zu schätzen, mit der seine Wilhelmine zumeist auf gemeinsame Einkaufstouren verzichtet.