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Nachbau der „Lovezone“ auf dem Gefängnisgelände
Lernprojekt „Liebe und Freundschaft“ in der Justizvollzuganstalt
 
(13.02.10) Wiesbaden - Junge Gefangene verfügen häufig über mangelhafte Kenntnisse über die Sexualität. Zugleich haben sie oft ein spezielles, korrekturbedürftiges Frauenbild und Verständnis von Männlichkeit. Deswegen trat die Justizvollzugsanstalt Wiesbaden an die Stadt Wiesbaden heran, um mehr über die Ausstellung „Lovezone“ und deren sexualpädagogische Arbeit nach dem Peer-Education-Ansatz zu erfahren. Da die Anstalt ihre sexualpädagogische Arbeit entwickeln wollte und die Jugendabteilung des Dezernates für Jugend, Soziales, Wohnen und Stadterneuerung bereit war, ihre umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen einzubringen, kam es zu einer weiteren Kooperation zwischen der Stadt und der Justizvollzugsanstalt.

Nach einigen Ideen, die aus vielerlei Gründen verworfen werden mussten, entstand der Gedanke des Nachbaus der „Lovezone“ auf dem Gelände der Anstalt als ständige Ausstellung, die von allen jungen Gefangenen genutzt werden kann.

Mit der von der Stadt Wiesbaden übernommenen Ausstellung zu Sexualität und Gesundheitsprophylaxe für die Altersgruppe von überwiegend 18 bis 24 Jahren wird der erste Schritt zu Einführung der sexualpädagogischen Arbeit in der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden unternommen.

Die Ausstellung „Lovezone“ beschäftigt sich mit dem Thema Sexualität von Jugendlichen und Heranwachsenden. Dabei vermitteln Gleichaltrige („Peer-Education“) das Thema in insgesamt fünf Modulen, die in etwa zwei Stunden bearbeitet werden. Bis zu acht junge Männer können ein Ausstellungsteil gleichzeitig aufsuchen. Damit können sich alle Gefangenen der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden in überschaubaren Zeiträumen die Inhalte unter sozialpädagogischer Begleitung erarbeiten.

Vor Betreten des Lernfeldes wird von den Moderatoren eine Einführung in die Thematik präsentiert. Für jedes der fünf Module von „Lovezone“, die sich in der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden in vorhandene Räumlichkeiten installieren lassen, werden zwei Moderatoren aus dem Kreis der jungen Gefangenen speziell ausgebildet. Das erste Modul des Lernfeldes ist als Quiz gestaltet und behandelt das Thema Verhütung. Das zweite mit dem Titel „Gerüchteküche“ befasst sich ausgiebig mit den bei jungen Menschen grassierenden Irrtümern und Vorurteilen zum Thema Sexualität.

Im dritten Modul werden die Themen Aids und Hepatitis mit Piktogrammen und einer Drehscheibe bearbeitet. Ebenfalls Themenbereiche, die bei vielen Gefangenen unbekannt sind oder mit gefährlichen Fehlinformationen untereinander verbreitet werden.

Das vierte Modul hat den Titel „Das erste Mal“. Es ist für die Gefangenen der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden noch erheblich ausbaubar, da die Bereiche Selbstbehauptung, Bereitschaft, Selbst-/Fremdwahrnehmung bis zum Thema Einfühlungsvermögen eröffnet werden. Sie können in Rollenspielen in der Wohngruppe vertieft werden. Als letztes und fünftes Modul folgen die sexuellen „Tabuthemen“. Auch die Frage von Sexualität junger Männer im geschlossenen Vollzug lässt sich thematisieren.

Das Konzept wurde im Vorfeld einigen Gefangenen präsentiert und für gut befunden, wie die Stadt Wiesbaden mitteilt. (hbh)
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