(03.10.09) Fast 500 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland sind bis zum 3.Oktober Gast auf dem Campus der Goethe-Universität. In 37 Workshops mit etwa 300 Vorträgen diskutieren die Teilnehmer der 33.Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde das Thema „Kulturelle Aneignungen – Anpassung Anverwandlung Camouflage“. Der Chairman des Weltverbandes der Völkerkundler, Professor Junji Koizumi aus Osaka, hielt die Eröffnungsrede. Die rege Teilnahme zeigt, dass die Ethnologie nicht mehr den Status eines Orchideenfachs hat.

Dr. Shahnaz Nadjmabadi, Sprecherin der DGV, Professor Junji Koizumi, Chairman des WCAA
***Frankfurt ist schon lange eine Hochburg dieser Wissenschaft. 1925 verlegte Leo Frobenius, der bekannteste Ethnologe in der 1.Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, sein ‚Forschungsinstitut für Kulturmorphologie’ von München nach Frankfurt, wo es der Wolfgang-Goethe Universität angegliedert wurde. Frobenius erhielt die Berufung zum Professor und später zum Direktor des Städtischen Museums für Völkerkunde.
Nach dem Krieg wurde das ‚Forschungsinstitut für Kulturmorphologie’ in `Frobenius-Institut’ umbenannt. Von diesem Institut gingen und gehen heute noch entscheidende Impulse für die ethnologische Forschung und Lehre aus. Fünf Professoren lehren heute am Frankfurter Ethnologie-Institut.

Drei der Frankfurter Ethnologie Professoren Mamadou Diawara, Karl-Heinz Kohl, Hans Peter Hahn
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Ethnologie sei Erforschung der Daseinsgestaltung, so formuliert es Professor Christoph Antweiler von der Universität Bonn. Für die heutigen Ethnologen sind die gesellschaftlichen Ereignisse relevant. Da geht es zum Beispiel um Untersuchungen des Handygebrauchs bei den Inuits oder in Burkina Faso und deren soziale Bedeutung, eine Arbeit des Frankfurter Professors Hans Peter Hahn. Es geht um Hilfestellungen für Bauern in Asien, in Lateinamerika, die durch Ausbeutung großer Firmen bedroht sind. Umgekehrt sind Völkerkundler Mitarbeiter großer Pharmafirmen, die das Wissen der Bauern auszunutzen wissen. Eine Diskussionsrunde der Tagung beschäftigt sich daher auch mit den ethischen Aspekten neuer Berufsfelder. Es kann gefragt werden: ist es legitim als Völkerkundler für die Bundeswehr oder für den BND zu arbeiten? Sechs ethische Aspekte ethnographischen Arbeitens wurden in der „Frankfurter Erklärung“ zur Ethik in der Ethnologie von Mitgliedern der deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) formuliert. In Punkt 2 der Erklärung heißt es: “Sind das Schutzbedürfnis und die Interessen der Informanten und anderer Personen, die als Partner am Prozess der Dokumentation und Interpretation beteiligt waren, ausreichend berücksichtigt?“ Konfliktsituationen sind in Positionen wie beim BND für den Völkerkundler vorprogrammiert.
„Ethnologen sind in der schillernden Welt angekommen“, konstatiert Professor Karl-Heinz Kohl, der Direktor des Frobenius Instituts und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde.
Näheres über die Tagung unter www.tagung2009.dgv-net.de
Text und Foto: Renate Feyerbacher