(08.03.10) Wenn Intendant Bernd Loebe vors Publikum tritt, dann geht es um eine Umbesetzung oder um die Mitteilung, dass ein Sänger oder eine Sängerin indisponiert ist. Es ging um Joseph Calleja. Er ist derzeit einer der gefragtesten Operntenöre, der noch im Dezember an der Metropolitan Opera in New York stürmisch gefeiert wurde. Er hatte die Generalprobe von Giacomo Puccinis Oper „La Rondine“ („Die Schwalbe“) am Vorabend der Aufführung in Frankfurt aus Krankheitsgründen abgebrochen. Nur starke Medikamente und gutes Zureden des Intendanten machten es möglich, dass er singen konnte. Großartig, keine Spur von Indisposition am Aufführungsabend. Eine Dame sagte erstaunt: „Ich denke, der ist krank“.

Joseph Calleja in der Alten Oper 2009
***Am Dienstag, den 9.März, gibt es die 2. Vorstellung in der Alten Oper in gleicher Besetzung. Die kubanisch-amerikanische Sängerin Elaine Alvarez, an bedeutenden Opernhäusern engagiert, singt die Titelpartie, für die sie bereits 2009 in der Oper Leipzig gefeiert wurde - so auch am Samstagabend in Frankfurt. Ihr klarer, schöner Sopran bewältigt mühelos die Höhen. Dazu versteht sie es auch, mimisch die konzertante Aufführung zu beleben wie auch ihr Partner Joseph Calleja als liebender Ruggero.
Das andere Paar, Britta Stallmeister als Zofe Lisette und Marius Brenciu als Dichter, stehen ihnen sängerisch und mimisch nicht nach. Ihr realistisches Paargezänke hebt sich wohltuend von dem überschwänglichen Liebesgeflüster des Librettos ab, das von den Librettisten beeinflusst war, die auch für Franz Lehár texteten. „Kitschiger Text“, so war ein prominenter Frankfurter Kunstschaffender in der Pause zu hören.
Aber Puccinis Musik betört. „La Rondine“ war ursprünglich als Operette geplant. Der italienische Komponist war von Franz Lehárs Werken beeindruckt. Puccini hatte aus Wien ein finanziell lukratives Angebot bekommen. Dann kam der 1. Weltkrieg, die Länder Italien und Österreich waren nun Feinde, und der Komponist nahm Abstand vom Projekt und schuf eine musikalische Romanze. Deren Geschichte hat zum Teil Ähnlichkeiten mit Alexandre Dumas „Kameliendame“ und damit auch mit Giuseppe Verdis „Traviata“ hat. Lisette, die Kammerzofe im Kleid der Gnädigen Frau und die Gnädige Frau im Kleid der Zofe erinnert an „Die Fledermaus“.
Der mehrfach ausgezeichnete Marc Soustrot dirigiert das Frankfurt Opern- und Museumsorchester sehr lebendig: zart in den Liebesszenen, keck und ausgelassen im Salon von Magda und beim Streit von Zofe und Dichter. Das Publikum war begeistert.
Die konzertante Aufführung von „La Rondine“, in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln, eine Koproduktion der Oper und der Alten Oper Frankfurt, kommt am Dienstag, den 9.März, erneut zur Aufführung. Beginn ist 19 Uhr in der Alten Oper.
Karten unter
www.oper-frankfurt.de oder per Telefon (069)1340400.
Foto: Renate Feyerbacher