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Kultur (Frankfurt)
Die Materialästhetik des Zelluloids
Expertenführung mit Heide Häusler in der Schirn
im Rahmen der Ausstellung „Zelluloid. Film ohne Kamera“ am 3. Aug.
(30.07.10) Heide Häusler, Projektleiterin der Ausstellung „Zelluloid. Film ohne Kamera“ in der Schirn Kunsthalle, stellt am Dienstag, 3. August 2010, um 19 Uhr herausragende Beispiele des „kameralosen Films“ von den 1930er-Jahren bis in die Gegenwart vor. Anknüpfend an die Tradition des „direct film“, bei dem das Bild nicht mit der Kamera aufgezeichnet, sondern durch die direkte künstlerische Bearbeitung des Filmstreifens generiert wird, scheint die kameralose Praxis insbesondere im Kontext der zeitgenössischen Kunst eine Renaissance zu erfahren.


Ausstellungsansicht
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Zahlreiche Künstler greifen dabei auf eine Arbeitsweise zurück, die mit der Kolorierung von Schwarz-Weiß-Filmen bereits seit den ersten Tagen der Kinematografie gängig ist. Das fotografische Bild als Grundlage des Filmmediums wird dabei durch eine Vielzahl handwerklicher Bildverfahren ersetzt, die von Malerei und Zeichnung über das Ritzen und Kratzen in der Filmemulsion bis zur Collage oder komplizierten chemischen und physikalischen Prozeduren reicht (s. a. Bericht vom 7. Juni in Frankfurt-Live.com: „„Zelluloid Film ohne Kamera“ - Ausstellung in der Kunsthalle Schirn bis 29. August 2010“ in der Rubrik: Kunst und Kultur in Frankfurt).

Vor allem jüngere Künstler entdecken in einer von immateriellen digitalen Medien durchdrungenen Welt die Materialästhetik des Zelluloids, dessen sinnliche, insbesondere haptische Qualitäten sich mit elektronischen Bildern kaum hervorbringen ließen. Die in Kalifornien lebende Künstlerin Jennifer West hat seit 2004 ein Konvolut von über 50 direkt bearbeiteten Filmen geschaffen, für die sie das Filmmaterial aufwendigen Eingriffen und Prozeduren unterwirft, die gleichsam als performativer Akt inszeniert werden. Im Rahmen der Ausstellung werden drei Filme der Künstlerin gezeigt, die mit alltäglichen Materialien, von Lebensmitteln über Lippenstift bis zu Motorradreifen, behandelt oder in mehr oder weniger wirkungsvolle Substanzen getaucht werden. Das jeweilige Konzept der Bearbeitung erschließt sich allein über den Titel, wie etwa bei dem Film „Film Wearing Thick Heavy Black Liquid Eyeliner That Gets Smeary (70 MM film leader lined with liquid black eye-liner, doused with Jello Vodka shots and rubbed with body glitter)“.


Jan Helliwell. “Orbiting the Atom” (Detail 3), 2002
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Heide Häusler (*1977 in Leverkusen), studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Film- und Fernsehwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum (1996–2003) und widmete ihre Abschlussarbeit dem Genre der Street-Photography. Bis 2006 realisierte sie Ausstellungen zur Fotografie im Stadtmuseum Düsseldorf und arbeitete bis 2008 als Redakteurin für das Berliner Magazin „Photography now“. Als Projektleiterin organisierte sie die Ausstellungen des „Fotofestivals Mannheim Ludwigshafen Heidelberg“ (2009). Für die Schirn Kunsthalle koordinierte Heide Häusler als Projektleiterin die Ausstellungen „Darwin. Kunst und die Suche nach den Ursprüngen“ (2009) und „Zelluloid. Film ohne Kamera“ (2010) und kuratierte die Ausstellung „Eberhard Havekost. Retina“ (2010).

Weitere Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung
Dienstag, 17. August, 20 Uhr - Performance „Alchemie“: Film und Klangprojektion der Künstler Jürgen Reble (ehemals Schmelzdahin) und Thomas Körner
Bei der Performance „Alchemie“ wird eine zehn Meter lange Filmschleife bei laufender Projektion in ihrer Zersetzung gezeigt. Dazu wird das Zelluloid während der Vorführung mit verschiedenen Chemikalien behandelt. Die Betrachter werden Zeugen der Zerstörung, auf deren Höhepunkt die Projektion die Bilder verbrennt und sich selbst beendet.

Schirn Kunsthalle Frankfurt, D-60311 Frankfurt, Römerberg, Tel: (069)299882112; Fax: (069)299882240; eMail: fuehrungen@schirn.de, www.schirn.de
Eintritt: 7Euro, ermäßigt 5 Euro, Abendkasse, kein Vorverkauf.
Anmeldung: erforderlich unter: Tel. (069)299882112 oder per eMail: fuehrungen@schirn.de (hbh)

Abbildungen: Schirn
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