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Kultur (Rhein-Main)
Die Saalburg – einziges rekonstruiertes Römerkastell weltweit
 
 
(30.07.10) Die Saalburg unweit von Bad Homburg v.d.Höhe zählt jährlich Zigtausende von Besuchern. Als Teil des obergermanisch-rätischen Limes wurde sie 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Sie ist das einzige rekonstruierte Römerkastell weltweit – dank Louis Jacobi und Wilhelm II. Der Kaiser, der oft und gern in der Kurstadt weilte, hatte dem Homburger Architekten und Archäologen Ende des 19. Jahrhunderts den Auftrag zum Wiederaufbau des römischen Garnisonslagers erteilt. Louis Jacobi wirkte fast 50 Jahre lang als Baumeister und prägte das Gesicht seiner Heimatstadt nachhaltig. Er starb am 24. September 1910 im Alter von 74 Jahren. Zum 100. Todestag laden Bad Homburg und das Saalburg-Museum ein, seinen Spuren zu folgen.


Der Wiederaufbau des Römerkastells Saalburg wurde zum Lebenswerk Louis Jacobis. Als Autodidakt hatte der Baumeister um 1870 begonnen, sich mit Archäologie und insbesondere mit Grabungen auf der Saalburg-Kuppe im Taunus zu befassen. 1894 veröffentlichte er die Forschungsergebnisse in einem zweibändigen Werk, das auch der Kaiser las. Zu diesem Zeitpunkt währte die zuletzt sogar freundschaftliche Verbindung zwischen Jacobi und dem Haus Hohenzollern bereits weit mehr als 20 Jahre. Neben anderen Aufträgen hatte er für die kaiserliche Familie das Homburger Landgrafenschloss zu einer wohnlichen Residenz umgebaut. So erscheint es nur als logische Folge, dass der von den Römern faszinierte Wilhelm seinen Homburger Baumeister damit beauftragte, das 233 n. Chr. zerstörte Kastell am Limes zu rekonstruieren.

Im Herbst 1897 begannen die Arbeiten. Bis 1907 wurden das damalige Haupttor (Porta praetoria), der heutige Besuchereingang (Porta decumana), die beiden Seitentore, die gesamte Wehrmauer, das Verwaltungszwecken dienende Quaestorium, die Kommandantur (Principia) sowie der Getreidespeicher (Horreum) wieder aufgebaut. In den beiden letzteren Gebäuden richtete Louis Jacobi – inzwischen Geheimer Baurat und Professor – mit den reichlich vorhandenen Fundstücken das Saalburg-Museum ein. Der Kaiser berief ihn zu dessen Direktor.


In den Jahrzehnten nach Jacobis Tod entstand auch ein Teil der Mannschaftsbaracken (Centuriae) wieder und seit 2003 wird die Saalburg zu einem Archäologischen Park ausgebaut: Das Praetorium, das Wohnhaus des Kommandanten, wurde auf seine ursprüngliche Ausdehnung hin erweitert und im Innenhof ein römischer Garten samt Mosaik-Wasserbecken gestaltet. „Neu“ gebaut wurden weiterhin ein Werkstattgebäude „Fabrica“ und zwei Streifenhäuser, wie sie einst in dem dem Kastell vorgelagerten römischen Dorf standen.

Das Römerkastell Saalburg ist seit langem zu einem Publikumsmagnet geworden. Die Besucher erleben Geschichte in einer Form, die Spaß macht. Die Gebäude, die Ausstellungen der archäologischen Funde, dazu Modelle und Inszenierungen und – keineswegs zuletzt – die familienfreundlichen Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen vermitteln ein anschauliches und lebendiges Bild von der römischen Lebensweise. Weitere Informationen unter www.saalburgmuseum.de.

Den Spuren Louis Jacobis zu folgen, lohnt sich auch in Bad Homburg. Viele der markanten Gebäude und prachtvollen Villen aus der wilhelminischen Zeit, als Homburg v.d. Höhe ein beliebtes Fürsten- und Weltbad war, wurden von ihm geplant. Jacobi folgte den Strömungen seiner Zeit, die in der Architektur den Historismus brachten. Deshalb entstanden seine Bauten in unterschiedlichen Stilen. Die Marktlauben an der Westseite des Marktplatzes und die nur wenige Schritte entfernte Engel-Apotheke scheinen mittelalterliche Fachwerkhäuser zu sein, doch sind sie ein Werk des Homburger Baumeisters. Ritters Parkhotel, das erste Haus am Platz und heute das Steigenberger Hotel, gab er eine neugotische Fassade, die leider nur noch zum Teil erhalten ist. Auch die Renaissance inspirierte ihn. Prägnante Merkmale dieser Epoche findet man an den zahlreichen Villen, die Jacobi in der Kernstadt zwischen Louisenstraße und Kaiser-Friedrich-Promenade für Privatleute entwarf. Wegen ihres Reichtums an Schmuckformen ragt besonders die „Villa Hammelmann“ an der Ecke Louisenstraße/Wilhelm-Meister-Straße heraus.

Im Stil der italienischen Renaissance konzipiert, gehört das Kaiser-Wilhelms-Bad mit seinen prägenden Seitenflügeln und der großen Kuppel zu den augenfälligsten Gebäuden Jacobis. In der prächtigen Eingangsrotunde wurden ab 1890 die hoch herrschaftlichen Kurgäste zu Heilanwendungen empfangen, jetzt sind es die gesundheitsbewussten Besucher des modernen Day Spa „Kur-Royal“. Die Orangerie am anderen Ende der Brunnenallee des Kurparks wird in naher Zukunft wieder gänzlich die Handschrift des Baumeisters tragen. Er hatte sie 1908/09 zur Wandelhalle umgebaut und erweitert, doch „Bausünden“ der 70er Jahre lassen nur noch einen Teil seines Wirkens erkennen. Die Anbauten sollen abgerissen und der hinter den „Umschachtelungen“ verborgene Flügel nach den Jacobi-Plänen restauriert werden.

Es gibt noch zahlreiche weitere Vermächtnisse Jacobis bei einem Gang durch Bad Homburg zu entdecken: unter anderen das einstige Brunnenversandgebäude und das russische Pfarrhaus in der Straße „Am Elisabethenbrunnen“, die evangelische Kirche in Gonzenheim, das heute von der VHS genutzte jüdische Gemeindehaus in der Elisabethenstraße, die Friedhofskapelle auf dem katholischen Friedhof am Gluckensteinweg, die Romanische Halle im Schlosshof oder auch Denkmäler, so das für Hölderlin im Kurpark, das für Johann Christian Rind in der Altstadt oder das für das Landgrafenhaus Hessen-Homburg im ehemaligen Englischen Garten, der zur „Landgräflichen Gartenlandschaft Bad Homburg“ gehört.

Auch das Geburtshaus und der Lebensmittelpunkt von Louis Jacobi blieb erhalten. In der Dorotheenstraße trägt es die Nummer 12, ist jedoch schon wegen seiner auffälligen Fassade aus vielen, vielen Kieselsteinen leicht zu finden. Hier wuchs Jacobi auf und hierhin kehrte er 1861 zurück, nachdem er seine Ausbildungen beendet hatte: eine Schreinerlehre in Amerika (!) und das Architekturstudium in Karlsruhe. Im Elternhaus richtete er ein Büro ein, widmete sich seinen archäologischen Studien und empfing Geschäftspartner und Gäste. Ab 1865 stand ihm seine Frau Henriette treu und verständnisvoll zur Seite.

Die Stadt Bad Homburg, das Saalburg-Museum und weitere Partner veranstalten zum 100. Todestag des Baumeisters von Mitte August bis Anfang November eine ganze Reihe von Führungen, Ausstellungen und Vorträgen. Über das Leben und Werk von Louis Jacobi berichtet u.a. eine Doppelausstellung, die vom 11. September bis 31. Oktober gezeigt wird: „Louis Jacobi – der Architekt und seine Stadt“ in der Stadtbibliothek in der Dorotheenstraße sowie „Louis Jacobi – Baumeister und Freund des Kaisers“ im Vestibül des Schlosses. Geführte Stadtrundgänge gibt es am 18. August entlang der Kaiser-Friedrich-Promenade und durch den Kurpark sowie am 7. November durch die Innenstadt (Anmeldungen erforderlich: Tel. (06172)451447). Alle weiteren Veranstaltungen können einem Flyer entnommen werden, der bei Tourist Info + Service im Kurhaus, im Stadtladen im Rathaus und in der Stadtbibliothek erhältlich ist. Unter www.bad-homburg.de kann er im Internet heruntergeladen werden.
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